Schimmelpilze

Allgemein:
Bei Schimmelpilzen handelt es sich um verschiedenartige Organismen mit geschätzten 1,5 Mio. Arten. Hiervon sind ca. 350.000 beschrieben worden. Schimmelpilze gehören zu den höheren Pilzen. Der Aufbau besteht im Wesentlichen aus dem Myzel (Pilzgeflecht - Wurzel zur Nahrungsaufnahme), dem (sichtbaren) Fruchtkörper und den Sporen (zur Vermehrung). Zum Wachstum benötigen Schimmelpilze gewisse notwendige Voraussetzungen.
Dazu gehören u. a. Nährboden/Nahrung (z. B. Cellulose), ein wenig Sauerstoff, pH-Wert (möglichst sauer), eine bestimmte Temperatur (ideal 20-30 °C) und ausreichend Feuchtigkeit (ideal ab ca. 80% relative Feuchtigkeit auf der Material-/Bauteiloberfläche). Als Nebenprodukt entstehen bei der Zersetzung von organischem Material (Cellulose) durch den Pilz (bei einigen Arten) so genannte MVOC’s (schwerflüchtige organische Substanzen), die den typisch muffigen Geruch ausmachen. Es gibt Schimmelpilzarten, die allergisches Potential haben, wieder andere können Toxine bilden oder auch Infektionen auslösen. Allerdings sind hier primär bereits gefährdete Personenkreise von betroffen, wie z. B. Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Allergiker usw.

Schimmelpilze gehören zu unserem Leben dazu, wie Luft und Wasser. Ohne sie wäre unser Dasein auf diesem Planeten nicht möglich. Sie sorgen u. a. dafür, dass organisches Material zersetzt wird (z. B. Komposthaufen). Ohne sie gäbe es kein Penicillin und somit auch keine Heilung für unzählige Menschen.
Schimmelpilzsporen gelangen täglich sowohl über Einatmung, als auch über Haut und Mund in den Körper, ohne Schäden / Krankheiten hervorzurufen. Bei einer Größe von 3 – 20 m (1 m entspricht 1/1000 mm) sind die Sporen daher lungengängig und können über die Luft/den Wind weit transportiert werden.
Allerdings sollten sie nicht in bewohnten Räumen oder auch im Körper in erhöhten Konzentrationen vorkommen. Dann kann es, besonders bei gefährdeten Personen, zu gesundheitlichen Problemen kommen. Eine Beurteilung, ob und in welcher Form ein Mensch von einem Schimmelpilzbefall krank werden kann bzw. krank geworden ist, sollte prinzipiell nur von einem Umweltmediziner erfolgen. In Zusammenarbeit mit dem Sachverständigen kann dann so ein geeigneter Lösungsweg (Sanierung – Behandlung/Heilung) erarbeitet werden.

Beispiel für Schimmelpilzeigenschaften:
Zu den am häufigsten vorkommenden / nachgewiesenen Schimmelpilzen in Innenräumen gehören etwa 150-200 unterschiedliche Pilzarten.
Als Beispiel soll hier Aspergillus versicolor dienen. Dabei sagt ‚Aspergillus’ etwas über die Gattung des Schimmelpizes und ‚versicolor’ über die Art aus.
Dieser Pilz bildet sich in Innenräumen bevorzugt nach Wasserschäden oder bei erhöhter Feuchtigkeit, kann aber auch in Lebensmitteln wie Getreide, Futtermittel, Käse oder Erdnüssen vorkommen. Er kann Verursacher von Organmykosen (durch Pilze hervorgerufene Infektionskrankheiten) sein und bildet (unter optimalen Bedingungen) Mykotoxine (giftige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen).

Untersuchung:
Um sich ein genaues Bild, beispielsweise nach einem Wasserschaden der nicht umgehend saniert / getrocknet wurde, machen zu können, werden Raumluftproben (siehe Bild unten) genommen. Diese Untersuchungsmethode wird angewendet, wenn kein sichtbarer Schimmelbefall vorhanden ist, aber ggf. typische gesundheitliche Probleme (Symptome), wie Atembeschwerden, Hustenreiz oder Allergien bei den Bewohnern auftreten. Dabei wird eine genau definierte Luftmenge auf ein Nährmedium (Nährboden) gesaugt, der anschließend im Labor bebrütet und ausgewertet wird.

Auswertung im Labor



Über weitere vor Ort zu ermittelnde Parameter, wie zum Beispiel die Materialfeuchte (hier per Indikation), ist der Sachverständige dann in der Lage das mögliche Ausmaß eines Schimmelpilzbefalls und vor allen Dingen die Ursache zu bestimmen, um so die notwendigen Sanierungsmaßnahmen bzw. die weitere Vorgehensweise vorzuschlagen.

Überprüfung von Materialfeuchte mittels Feuchtindikator



Kostengünstige Untersuchungsmethoden bei einem Schimmelpilzverdacht, wie die passive Raumluftanalyse (dabei wird ein Nährboden offen im Raum für ca. 2 Stunden aufgestellt) haben praktisch keinerlei Aussagekraft über die tatsächliche Konzentration von Schimmelpilzsporen in der Luft und sagen auch nichts über die mögliche Herkunft aus, da hier u. a. die notwendige gleichzeitige Außenluftmessung als Referenzmessung nicht erfolgt.

Wichtig ist immer die Ursache für eine Schimmelpilzbildung zu ermitteln und zu beheben und nicht nur die Symptome, also den Fruchtkörper des Pilzes, zu beseitigen z. B. durch wegwischen oder übermalen mit Schimmelpilzfarbe vom sichtbaren Schimmelpilz. Da bei unüberlegten Sanierungsmaßnahmen durchaus die Gefahr besteht, dass andere, bisher ‚saubere’ Bereich einer Wohnung mit Sporen kontaminiert werden können, sollte immer nur eine nachweisliche Fachfirma mit der Sanierung betraut werden. Spezielle Sanierungsvorschläge kann auch der Sachverständige geben, oder auch begleitend tätig sein.

Ein Lösungsweg bei sichtbarem Schimmelpilzbefall kann folgendermaßen aussehen:

1.Ermittlung der Feuchtigkeitsursache

2.Klebefilm- bzw. Materialproben zur Ermittlung der Schimmelpilzart

3.Ausarbeitung der Sanierung (Ursachenbehebung, Trocknung, Entfernung des befallenen Materials, Wiederaufbau)

4.Durchführung der Sanierung durch eine Fachfirma (inkl. Feinreinigung)

5.Abschließende Kontrollmessung der Raumluft – Sanierungserfolg ?



Nicht jeder Schimmelpilzschaden erfordert allerdings die oben angegebenen Schritte. Daher muss jeder Fall einzeln begutachtet werden, um so ein Optimum für den Kunden zu erzielen und unnötige Kosten zu vermeiden. Hier stehe ich Ihnen als Sachverständiger zur Seite.

Sanierung:
Leider gibt es eine große Anzahl ‚schwarzer Schafe’ auf diesem Markt, die entweder das Unwissen und die Angst der Betroffenen ausnutzen, um so unnötige, kostspielige Maßnahmen zu ergreifen, oder aber es werden Tatsachen verharmlost aus Kostengründen und die gewählten Sanierungsmaßnahmen sind entweder wirkungslos, oder aber verschlimmern bzw. verlagern die Kontamination aufgrund von Verschleppung.

Folgendes Beispiel soll hier zum besseren Verständnis dienen:
Vielfach wird die Meinung vertreten, dass es ausreichend ist, bei einem sichtbaren Schimmelpilzschaden diesen durch einfaches Wegwischen zu entfernen, ggf. anschließend die befallene Fläche noch mit einer fungiziden Farbe zu streichen. Das Problem: Der Pilz ist weiterhin aktiv, da lediglich der Fruchtkörper entfernt worden ist – wie bei einem Speisepilz, der von einem Pilzsammler im Wald geerntet wird und im nächsten Jahr wieder da ist. Beim ‚Wegwischen’ bleibt das Mycel (Pilzgeflecht, Wurzel) im betroffenen Bauteil aktiv erhalten und kann so weiterhin Fruchtkörper und Sporen bilden.
Außerdem besteht die Gefahr, dass durch das mechanische Eingreifen (wischen) Sporen aufgewirbelt werden und so andere bisher nicht befallene Teile kontaminieren.
Sollte die Wand anschließend noch mit einer fungiziden Farbe gestrichen werden, so schadet man sich eher noch mehr, da in solchen Farben Toxine (Pilzgifte) verwendet werden, die auch für den Menschen als solche wirken können. Ebenso nicht empfehlenswert sind so genannte ‚Antischimmelprodukte’ aus dem Baumarkt auf Chlorbasis, da Chlor u. a. die Schleimhäute und die Atemwege reizt. Für betroffene Personen, die möglicherweise an einer Atemwegserkrankung leiden bedeutet dieses eine unnötige zusätzliche Belastung.